Blaskapelle St. Ägidius Schmidmühlen

Musik-Arbeitsgemeinschaft (MUAG)

Der Weg zur MUAG: Konzept von Roland Preußl, 1992


Wir, die Blaskapelle St. Ägidius Schmidmühlen möchten Ihnen mit diesem Artikel unseren Weg zu einer Musik-Arbeitsgemeinschaft beschreiben. Wir wollen Ihnen zeigen, dass jeder Verein es schaffen kann, eine MUAG bzw. Bläserklasse mit Erfolg zu gründen.


Warum wollten wir als Verein eine solche Bläserklasse bei uns im Ort einführen? Der Grund für diese Entscheidung lag darin, dass wir als Verein in einer Gemeinde mit ca. 2000 Einwohnern unsere Jugendarbeit verstärken wollten, um in der Zukunft auf eine solide und lebendige Basis bauen zu können. Als wir uns dann im Januar 2002 zu einen Schritt in Richtung "verstärkte Jugendarbeit" entschieden haben, begann die Zeit der Vorbereitung. Wir überlegten wie wir Kinder an die Instrumente heranführen können und diese dabei viel Freude haben. Als wir dann darüber nachdachten ging uns der Gedanke einer Zusammenarbeit mit der Schule nicht mehr aus dem Sinn. Denn in der Schule sind die Kinder, die wir als Verein ansprechen wollen.


Unterrichtskonzept und ein rechtlicher Rahmen. Wir entschieden uns für das Lehrsystem Essential Elements. Dieses System besteht aus einem Arbeits- bzw. Lehrheft und einer Mitspiel-CD für das Üben zuhause. Der Vorteil von Essential Elements sahen wir darin, dass alle Kinder von der ersten Stunde an miteinander Spielen konnten.


Nun galt es als nächstes den Unterrichtsablauf zu planen. Nach langen Telefonaten mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, dem Rektor der Volksschule und dem Schulamtsdirektor des Staatlichen Schulamtes in Amberg hatten wir eine Lösung. Es war die erste MUAG (Musik-Arbeitsgemeinschaft) Bayerns geboren. Der Schulamtsdirektor erstellte einen Vertrag der die Rechten und Pflichten der Schule und des Vereins regelt z. B. ein wichtiger Punkt ist der Unfallversicherungsschutz der nun für alle Schüler und alle Lehrer bei diesem Projekt besteht.


Den Unterricht legten wir auf den Nachmittag der sich für jeden Schüler in zwei Teile aufgliedert.

Der erste Teil ist der Satzunterricht, bei uns von 14:00 Uhr bis 14:45 Uhr der von den Instrumentallehrern des Vereins erteilt wird. Der zweite Teil ist die Gesamtprobe von 14:45 Uhr bis 15:30 Uhr bei der alle Kinder von Anfang an miteinander MUSIZIEREN. Dieser Unterricht wird von dem Dirigenten der MUAG (ebenfalls ein Lehrer des Vereins) erteilt, wobei im ersten halben Jahr zur Unterstützung des Dirigenten die Instrumentallehrer in der Gesamtprobe mit anwesend waren um Instrumentalfragen vor Ort zu klären und einen reibungslosen, qualitativen und zielorientierten Unterricht anbieten zu können. Nun hatten wir ein fertiges Konzept, dass wir nun den Eltern und den Kindern der 3. bis 5. Klasse bei einem Elternabend vorstellen konnten. Hier durften die Kinder auch die Instrumente mit großer Freude ausprobieren. Aufgrund des Elternabends (Infoabend) meldeten sich 23 Kinder die sich für ein Instrument begeistert haben.


Bei einem solchen Projekt das 2 Jahre läuft entstehen natürlich auch Kosten, die sich in Ausbildungskosten und in Instrumentenkosten aufteilen. Die Instrumente wurden von den Eltern gekauft bzw. gemietet. Da wir als Verein darauf bedacht waren, dass den Eltern bei diesem Projekt möglichst niedrige Kosten entstehen, handelten wir mit dem Musikfachgeschäft Sonderkonditionen aus (günstige Verkaufspreise, Anrechnung der Mietraten usw.).
Die Ausbildungskosten werden vom Verein getragen und teilweise durch Ausbildungsgebühren finanziert den Rest trägt der Verein. Trotz der nicht unerheblichen Kosten ist für uns dieses Konzept kostengünstiger als die "normale Einzelausbildung". Zu dem sehen wir die Ausbildung als die wichtigste Investition des Vereins für an.
Nun ist Mai und es sind einige Monate seit dem Start vergangen und die ersten Fortschritte sind nun für alle sichtbar. Bei unserem trad. Osterkonzert durften sie z.B. einige Konzertstücke mit viel Freude aufführen und wurden dafür mit viel Applaus belohnt. Auch waren sie vor einigen Wochen auf ihrer ersten Konzertreise zu einem Schulfest von einer anderen Schule eingeladen worden. Grundsätzlich können wir beobachten, dass die musikalische Entwicklung sehr schnell voran schreitet, schneller als bei dem herkömmlichen Einzelunterricht.
Auch hat sich im Laufe dieser Monate ein sehr soziales Team gebildet, das sich mit einem gemeinsamen Ziel auf den Weg macht, um dieses Ziel miteinander zu erreichen. Das Ziel ist das gemeinsame Musizieren im Orchester.
Wir sind sehr stolz auf unsre "KLEINEN" und werden auf jedem Fall 2004 die nächste MUAG bei uns in Schmidmühlen starten.

Mit musikalischen Grüßen
Roland Preußl
Jugendleiter und Organisator des Projekts


Die vier Säulen von MUAG
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Die Erasmus-Grasser-Volksschule Schmidmühlen
Die Erasmus-Grasser-Volksschule Schmidmühlen als Erfahrungsträger im Bezug auf die Wissensvermittlung ist ein starker Partner der Blaskapelle St. Ägidius, so dass gemeinsam dieses Projekt auf die Beine gestellt werden konnte.
Aufgabe: Die Erasmus-Grasser-Volksschule Schmidmühlen stellt z.B. die Probenräume zur Verfügung, übernimmt die Mittagsbetreuung und die Sicherstellung des Schulbustransportes der Kinder.

Die Unterrichtsliteratur:
Als Unterrichtsliteratur wird bei der MUAG das System Essential Elements (De Haske) verwendet. Dieses System setzt darauf, dass alle Schüler von Anfang an miteinander musizieren können. Jeder Schüler hat für sein Instrument ein Lehr- und Übungsbuch, in dem Theorie und Praxis vermittelt werden. Zusätzlich zu dem Buch hat jeder Schüler eine Mitspiel CD, so dass er auch daheim beim Üben nicht auf das Orchester verzichten muss.


Der zeitliche Ablauf:
Der Wochentag im Stundenplan der MUAG ist der Dienstag. Nachmittags von 14:00 bis 14:45 Uhr unterrichten die Musiklehrer satzweise (nach Instrumentengruppe) die einzelnen Kinder.
Von 14:45 bis 15:30 Uhr findet die Gesamtprobe der MUAG statt. Unter der Leitung von Hr. Lobenhofer werden die in den Satzstunden erworbenen Kenntnisse bei dem Orchesterspiel angewandt. Das erste halbe Jahr werden die Kinder durch ihre Musiklehrer unterstützt, da gerade in der Anfangszeit viel Betreuung notwendig ist.
Von 15:30 bis 16.15 Uhr findet der Satzunterricht für die Schüler aus den weiterführenden Schulen statt, da diese um 14.00 Uhr noch nicht in Schmidmühlen sind.


Die Projektdauer
Das Projekt wurde auf die Dauer von 2 Jahren ausgelegt. In diesen 2 Jahren werden den Kindern all die musikalischen Kenntnisse vermittelt, die sie benötigen, um in einem großen Orchester musizieren zu können.
Außerdem besitzen die Kinder nach diesem Projekt eine umfassende musikalische Grundbildung. Dieses Wissen können die Kinder in ihrem weiteren schulischen Weg anwenden und erweitern.

Die Eltern der Kinder
Die Eltern stellen die Weichen für die Bildung ihrer Kinder.
Durch einen Elternabend im Vorfeld des Projekts wurden sie über die Chancen einer zusätzlichen musischen Bildung informiert.
Aufgabe: Die Eltern unterstützen durch ihr Engagement das Vorankommen der MUAG, wie z.B. durch die tägliche Probenarbeit in den Kinderzimmern. Außerdem werden die Instrumente durch die einzelnen Eltern bezahlt.


Die Finanzierung
Da die Blaskapelle St. Ägidius die Kosten für die Lehrmittel (Essential Elements) zu 100% und die Ausbildungskosten zum Großteil übernimmt, ist eine solide Finanzierung nötig. Pro Unterrichtstag entstehen Ausbildungskosten von ca. 280 € ! Eine solche Finanzierung wird durch die Einnahmen aus der Unterhaltungsmusik der Blaskapelle und durch Spenden sichergestellt.


Die musikalische Früherziehung
Auch die musikalische Früherziehung ist ein Baustein zur musikalischen Bildung, auf den die Blaskapelle St. Ägidius setzt. Im Kindergarten und in der Grundschule bietet die Blaskapelle unter der Leitung von Hr. Roidl einen Blockflötenunterricht an.
Durch diese musikalische Früherziehung werden die Kinder optimal auf den Schulunterricht und die MUAG vorbereitet.
Zur Zeit befinden sich ca. 35 Kinder in Ausbildung, davon 14 Kinder in den Klassen 1-4.


Die Blaskapelle St. Ägidius Schmidmühlen
Die Blaskapelle als Initiator des Projektes:
Im Januar 2002 wurde der Gedanke geboren ein solches Projekt in Schmidmühlen zu starten. Nach langer Arbeit war es dann im September 2002 endlich so weit. Die MUAG konnte beginnen.
Aufgabe: Die Blaskapelle St. Ägidius Schmidmühlen ist für die Vermittlung der musikalischen Lehrinhalte, die praktische Umsetzung und die Organisation zuständig.


Die Kinder
Von den Klassen 3-5 nehmen 23 Kinder an der MUAG teil:
13 Schüler der Erasmus-Grasser-Volksschule Schmidmühlen und
10 Schüler von weiterführenden Schulen.
Hinzu kommen noch 14 Kinder, die sich in der Musikalischen Früherziehung befinden (Blockflötenunterricht).
Gesamt: 37 Kinder, die eine zusätzliche musikalische Ausbildung in der Schule erfahren
Aufgabe: Aktives Lernen durch Theorie und Praxis


Die Klassengemeinschaft
In der MUAG wird durch das gemeinsame Orchesterspiel ein sehr positives und erstaunlich aggressionsfreies Lernklima geschaffen.
Teamfähigkeit wird als wichtige Schlüsselqualifikation spielerisch erworben; einander zuhören, Rücksicht nehmen und sich gegenseitig unterstützen sind bleibende und prägende Erfahrungen. Letztlich ist dies auch Prävention von Gewalt in der Schule und eine Immunisierung gegen Sinnleere. Dieser Musikunterricht erfüllt damit einen drängenden gesellschaftlichen Auftrag, ist eine Methode, die auf motivierende Weise jedem Schüler musikalische und damit auch persönliche Erfolgserlebnisse bietet.

Musik macht klug?!
Seriöse Untersuchungen belegen immer mehr, dass Kinder, die ein Musikinstrument systematisch erlernen, auch in anderen schulischen Bereichen davon profitieren. So steigt die Konzentrationsfähigkeit; Ausdauer und Merkfähigkeit werden stärker.
Ergebnis: bessere schulische Leistungen insgesamt. Dies ist ein Ergebnis der MUAG, da für die Kinder gemeinsames, zielorientiertes Arbeiten selbstverständlich ist.
Quelle: Studie zum Einfluss von erweiterter Musikerziehung auf die allgemeine und individuelle Entwicklung von Kindern Musikpädagoge Prof. Hans Günther Bastian // Bundesministerium für Bildung und Forschung (Berlin) In den Jahren 1992 bis 1998 wurden an sieben Berliner Grundschulen mit musikbetonten Zügen (das heißt ein zweistündiger Musikunterricht pro Woche über eine Mio. Daten aufgenommen und ausgewertet.


Die Kosten der Ausbildung
Die anderen Kosten sind die Ausbildungsgebühren, welche bei einer Mitgliedschaft in der Blaskapelle vom Verein übernommen werden. Eine Mitgliedschaft ist nicht notwendig, für die Eltern aber günstiger, da die Blaskapelle den Großteil der Ausbildungskosten trägt. Für Nichtmitglieder werden die Ausbildungsgebühren je nach Anzahl der Schüler direkt auf die Eltern umgelegt.


Die Kosten des Instruments

Dies sind zum einen die Kosten für die Instrumente. Die Instrumente wurden von den Eltern bezahlt und sind deren Eigentum. Durch die große Anzahl der Instrumente konnte mit der Firma Musik-Raab ein Rahmen mit Sonderkonditionen ausgehandelt werden. So haben z.B. die Eltern die Möglichkeit ein Instrument zu mieten. Die Mietraten werden bei einem Kauf voll angerechnet.
Auch wurden die Nettopreise für die Instrumente fest von der Blaskapelle mit der Firma Musik-Raab ausgehandelt, so dass ein sehr gutes Preisleistungsverhältnis erzielt werden konnte.


Die Vermittlung durch die Lehrer
Die Blaskapelle St. Ägidius stellt die Musiklehrer für die MUAG. Hr. Josef Lobenhofer ist der musikalische Leiter der MUAG. Außerdem bildet er auch die Saxophonschüler aus.
Für den Schlagzeugunterricht ist Hr. Vasilikov, für den Klarinettenunterricht Fr. Lautenschlager und Fr. Gleixner, für die Blechblasinstrumente Hr. Roidl und für den Querflötenunterricht Fr. Wurstbauer zuständig.
Durch diese gut qualifizierten Lehrer sichern wir die hohe Qualität der musikalischen Wissensvermittlung bei diesem Projekt.